Chefs können "Burn out" verhindern

Persönliche Ansprache und rechtzeitige Arbeitsentlastung
Mit diesen beiden Hilfsmitteln können Vorgesetze gegen drohendes Burn-out ihrer Mitarbeiter wirksam vorgehen, wie eine Schweizer Studie, die gestern vorgestellt wurde, zeigt. Bereits bei 20 Prozent mehr Zuwendung sinken die Burn-out-bedingten Erkrankungen um zehn Prozent.
Entziehen die Chefs jedoch ihre Zuwendung, steigt die Zahl rasch wieder auf den alten Wert.

„Kuschelkurs“ zahlt sich aus
Führungskräfte können einer Studie zufolge mit persönlicher Ansprache und rechtzeitiger Arbeitsentlastung das Burn-out-Risiko ihrer Mitarbeiter deutlich verringern.
Beenden oder unterbrechen die Vorgesetzten ihre Unterstützung jedoch, steigen die durch Burn-out bedingten Ausfälle in der Belegschaft schnell wieder auf den vorherigen Stand, heißt es in der am Dienstag veröffentlichten Langzeitstudie des Schweizer Instituts sciencetransfer in Zusammenarbeit mit der deutschen Bertelsmann Stiftung.

Halbe Million in Österreich betroffen
Rund 500.000 Österreicher leiden laut Zahlen der Wiener Ärztekammer vom Jänner unter dem Burn-out-Syndrom. Burn-out ist sowohl im körperlichen als auch im psychischen Bereich beheimatet. Die Betroffenen fühlen sich grundsätzlich energielos und erschöpft.

Druck am Arbeitsplatz
Die Folgen sind einerseits etwa Herz-Kreislauf-Leiden, Bluthochdruck, Nackenschmerzen und Wirbelsäulenbeschwerden, andererseits Depressionen, Panikattacken und Suchterkrankungen. Die Ursachen dafür seien oft beim stets zunehmenden Druck am Arbeitsplatz zu finden, so die Wiener Ärztekammer.

Zuhören, motivieren und helfen
Bereits eine um 20 Prozent intensivere Unterstützung seitens der Führungskräfte bewirke zehn Prozent weniger Burn-out-bedingte Erkrankungen, heißt es in der Schweizer Studie.

Hilfreich seien zum einen bessere Arbeitsmittel, Tipps und Arbeitsentlastung. Zum anderen seien aber auch Zuspruch, Trost, Motivation und Zuhören nachweisbare positive Faktoren. Für die Schweizer Studie wurden in den Jahren 2006 bis 2009 jährlich 120 Teilnehmer befragt. Jede Befragung umfasste mehr als 250 Fragen zu 20 Gesundheitsaspekten.

Teil der Führungsaufgabe
Die Schweizer Experten fordern als Konsequenz der Studie, sozial unterstützendes Verhalten müsse zu einer ständigen Führungsaufgabe werden. Nur so könne es den Unternehmen gelingen, qualifizierte Fachkräfte zu halten und wirtschaftlichen Erfolg zu sichern.

Erkrankte müssen Problem erst erkennen
Laut der Psychotherapeutin Lisa Tomaschek-Habrina vom Institut für Burnout und Stressmanagement (IBOS) liegt ein weiteres Problem sowohl bei der Erkennung als auch Behandlung in der langen Zeitspanne von ersten Warnsignalen bis zum tatsächlichen Besuch eines Arztes.

Diese liege zwischen sechs Monaten und einem Jahr, wobei Frauen im Normalfall früher professionelle Hilfe in Anspruch nähmen, so Tomaschek-Habrina.
(orf.at, 19.05.2010)

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